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Bestockungstriebe mit Kolbenanlagen auf der Rispe

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Häufig sind in einem Maisbestand an vereinzelten Pflanzen 1 bis 2 Bestockungstriebe zu finden.

In selteneren Fällen haben viele Pflanzen 1-3 solcher Triebe. Manchmal sind jedoch Pflanzen zu finden, die so exzessiv Bestockungstriebe bilden, dass der Haupttrieb nicht mehr erkennbar ist.

Abb.1: Pflanze mit zahlreichen Bestockungstrieben, wahrscheinlich verursacht durch einen Fritfliegen-Schaden am Haupttrieb
Abb.1: Pflanze mit zahlreichen Bestockungstrieben, wahrscheinlich verursacht durch einen Fritfliegen-Schaden am Haupttrieb

Ursachen:

Vereinzelte Pflanzen mit 1-2 Bestockungstrieben:

  • Lücken im Bestand (mehr Nährstoffe, Wasser und Licht für die benachbarte Pflanze)
  • Niedrige Bestandesdichten

Alle Pflanzen haben 1-2 Bestockungstriebe:

  • Sehr gute Versorgung mit Nährstoffen (insbesondere der N-Versorgung), Wasser und Sonnenschein während des Auflaufens und der Jugendentwicklung
  • Eine Sorte mit Neigung zur Bestockung.

Exzessives Auftreten von Bestockungstrieben an einzelnen Pflanzen:

  • Verminderte Apikaldominanz des beschädigten Haupttriebs durch:
    • Fritfliegenschaden,
    • mechanische Schäden durch Traktorreifen oder Trittschäden durch Wildtiere
    • Hagelschaden
    • Frostschaden
    • Spritzmittelschaden

Treten Bestockungstriebe exzessiv auf (mehr als 2-3 pro Pflanze), sollten die Ursachen erforscht werden. Maßnahmen, wie eine frühe Aussaat, eine gute Ungrasregulierung, Vermeidung von später Stallmistdüngung oder schlecht abfrierenden Zwischenfrüchten, verringern das Risiko eines starken Befalls mit Fritfliegen.

Ungefähr bis zum 6-Blattstadium werden an jedem Knoten der jungen Maispflanze Blätter, potenzielle Kolben oder Bestockungstriebe angelegt.

An den unteren 5-7 Knoten, beziehungsweise an den Knoten unter der Bodenoberfläche bilden sich potenzielle Bestockungstriebe bei allen Pflanzen (und damit allen Sorten). Ob sie sich später zu sichtbaren Bestockungstrieben entwickeln, hängt von der Neigung der Sorte zu Bestockung, der Bestandesdichte und den Umweltfaktoren ab. Sie können genauso wie der Haupttrieb eigene Wurzeln, eine Rispe und einen Kolben entwickeln.
An den höheren Knoten werden Blühanlagen / Kolbenanlagen angelegt.

Alle Blühorgane besitzen zunächst Anlagen für die weibliche und die männliche Blüte. Im Laufe des Wachstums bilden sich jedoch in der Rispe die weiblichen Anlagen zurück, während sich am Kolben die männlichen Blühorgane zurückbilden. Gesteuert wird der ganze Prozess von den Hormonen. Werden diese Hormone aus dem Gleichgewicht gebracht, kommt es zu einer Ausbildung von Kornanlagen und Körnern auf der Rispe. Dieses Phänomen tritt wesentlich häufiger an Bestockungstrieben als am Hauptrieb auf.

Abb.2: Körner auf der Rispe eines Bestockungstriebes
Abb.2: Körner auf der Rispe eines Bestockungstriebes
Abb.3: Körner auf der Rispe eines Bestockungstriebes
Abb.3: Körner auf der Rispe eines Bestockungstriebes

Verursachen Bestockungstriebe einen Schaden:

Sobald der Bestand in die Länge geschossen ist und die Blattdecke kaum noch Licht an den Boden lässt, verkümmern Bestockungstriebe häufig.
Sehr früh gebildete Bestockungstriebe können selbst einen Kolben anlegen. Dieser wird mit Assimilaten aus dem Trieb, auf welchem er sitzt, gefüllt. Bildet ein Trieb keinen Kolben, so versorgt er den Kolben am Haupttrieb mit Assimilaten und kann sogar zu einem Mehrertrag beitragen. Umgekehrt gelangen nur Assimilate in den Kolben des Bestockungstriebes, wenn am Haupttrieb kein Kolben sitzt, was sehr selten vorkommen dürfte. Bestockungstriebe wirken daher nicht ertragsmindernd. Nur im Fall einer lang anhaltenden Trockenheit nach einem Frühjahr mit sehr günstigen Bedingungen können vermehrt gebildete Bestockungstriebe durch eine erhöhte Verdunstungsrate pro Pflanze negative Auswirkungen auf die zur Kornfüllungsphase zur Verfügung stehenden Wasservorräte haben.


Bei der Körnernutzung sind unreife Körner von Kolben auf den Bestockungs-trieben wegen ihres höheren Wassergehaltes unerwünscht. Im Falle der Nutzung als Silomais können die Bestockungstriebe jedoch durch ihre Masse den Ertrag erhöhen.


Fazit:
Generell sind Bestockungstriebe nicht ertragsmindernd. Im Fall der Nutzung als Silomais können diese auch zum Gesamtertrag beitragen.